Tori Amos: Stimmgewaltig am Bösendorfer & Keyboard

WIENER KONZERTHAUS. Wenn die 54-jährige Songwriterin und Pianistin Tori Amos ihre Stimme erhebt, schweigt das Auditorium. Selbst ein tosender Applaus kann durch einen Fingerzeig der amerikanischen Wahl-Britin schnell in andächtiges Schweigen verwandelt werden. So geschehen am Sonntag, 1. Oktober im Wiener Konzerthaus. Worin manche eine Exzentrikerin erkennen, sehen andere eine Künstlerin in ekstatischer Verbundenheit mit ihrer Musik. Tori Amos enorme Bandbreite im emotionalen Ausdruck mag bisweilen verstören, vielmehr aber berühren.

Mal düster, mal schrill, immer wieder gefühlsintensiv und lebendig: Tori Amos Stimmgewalt in Mezzosporan nahm zusammen mit ihrem Bösendorfer-Flügel und Keyboard den Großen Saal des Konzerthauses ein.

Dank oder trotz der oftmals komplexen Texte und anspruchsvollen Musik gelang ihr bereits Anfang der 90er Jahre der Durchbruch: Im Song ‚Me and a gun‘ verarbeitete sie die eigene Vergewaltigung. In „Cornflake Girl“, dem in den Charts bis dato erfolgreichsten Hit, griff sie in subtiler Weise das Thema der Weiblichen Beschneidung und Genitalverstümmelung auf. Ausgrenzung, Gleichberechtigung für Frauen, Äußerungen zur politischen Lage in den USA, der Schlaganfall ihrer Mutter – wesentliche Inhalte finden oft in subtilen, hintergründigeren Texten ihren Ausdruck. So unverwechselbar Tori Amos Tonlage, so unverzichtbar sind Lieder voll Hoffnung und des Vertrauens in die Welt auf allen ihren Alben.

Das bisher fünfzehnte Studioalbum - Native Invader - erschien im September 2017.

http://toriamos.com

Photo credit: Paulina Otylie Surys